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Geschichte des Kunsthandwerks

Das Tal in Kaschmir und die Stadt Srinagar spielten eine bedeutende Rolle während der Handelsgeschäfte auf der Seidenstrasse in Richtung Zentralasien, Südasien und Mittelasien. Der bedeutende Sufi Heilige von Persien, Hazrat Mir Sayed Ali Hamdani (1341 – 1385) brachte im Zuge seiner Missionierung auch hochbegabte Künstler mit nach Kaschmir. Der „Kashmiri Spirit“ zeigt sich in Form von Interaktionen zwischen Religion, Region und Nation.

Im „Sri Pratap Singh“ Museum in Srinagar ist ein in Blau- und Rottönen gestickter Schal zu sehen – ein riesengroßer Stadtplan von Srinagar mit Flussläufen, Parks, Gebäuden, Menschen und Enten. Einst wurde dieser Schal von Maharaja Ranbir Singh in Auftrag gegeben und dem Prinzen von Wales während eines Besuches in Kaschmir als Geschenk überreicht.
Der Moghul Herrscher Akbar war über alle Maßen von den Kaschmir Schals und der Qualität ihrer Webkunst fasziniert. Bis heute ist weltweit der Kaschmir Schal eines der repräsentativsten Produkte des Landes.

Das Wort 'Schal' kommt von 'shal', einem persischen Wort für feine Wollkleidung. Der Ursprung der Schal Industrie geht bis ins 15. Jahrhundert zurück und hatte während der Epoche der Moghul Herrschaft von 1587 bis 1758 seine Blütezeit. Der Kaschmiri Schal war ein anerkanntes Merkmal der Aristokratie im gesamten persisch-indischen Raum. Auf Miniaturbildern und Porträtdarstellungen tragen die Kaiser Gewänder aus den original in Kaschmir gefertigten Stoffen. Nach der Zeit der Moghul Herrscher wurden für den Kaschmirschal besondere Klassifikationen entwickelt. So wurde er sogar als Währung an den nordindischen Höfen gehandelt.

Ein ehemaliger General Napoleons, Monsieur Allard, der 1822 in der Armee von Ranjit Singh diente, knüpfte eines diskrete Verbindung zwischen einem Schalhersteller in Kaschmir und Paris. Napoleons Frau Josephine wurde süchtig nach den geschmeidigen Tüchern und verhalf dem Kaschmiri Schal zu einem neuen Modetrend im damaligen Paris und darüber hinaus in ganz Europa.

Andererseits waren sich auch die Schalhersteller in Srinagar ihrer mächtigen Stellung bewusst. Das Wort 'Pashmina', ein ursprünglich persisches Wort, beschreibt den traditionellen Schal, der über die Schulter geworfen getragen wurde. In Europa dagegen ist das Wort Cashmere lediglich für feine Qualität von Wolle bekannt und hat keinen Bezug mit den Pashmina Schals aus Kaschmir. In einen monatelangen Prozess, der mit dem Ankauf des Rohmaterials Pashmina auf einem Markt beginnt, dessen Einfärbung bis hin zur Gestaltung der Muster und Webarten, sind viele Kaschmiri Familien, Weber und Händler eingebunden, immer der Arbeit ihrer Vorfahren in dieser traditionsreichen Kunst folgend. Die meisten Touristen besuchen das Haus der „Kaufleute von Venedig“, nicht nur um einen Schal zu kaufen sondern auch, um die hohe Lebensqualität der Kaschmiri Leute kennen zu lernen.

Kaschmiri Schals und Kaschmiri Teppiche stehen für eine hochentwickelte, zur Perfektion gelangte Kunstform in Bezug zu Material, Technik, Ornament und bildnerischer Darstellung mit Hinweisen auf verschiedene Stile und Epochen dieser Kultur. In allem handelt es sich um einen Arbeitsaufwand von hunderten und tausenden Stunden hochqualifizierter Arbeit, ähnlich wie Noten und Melodien in einer Partitur oder wie Worte in einem Gedicht die Schönheit der Fantasie zum Ausdruck bringen.